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Freitag, 2.5.2003, 17.00 Uhr

Paragraph 175
Rob Epstein, Jeffrey Friedman, USA 1999, 81 min, 35mm, OmU



Es ist eine Geschichte, wie sie in dieser Form noch nicht erzählt wurde: Schwule Nazi-Opfer - alle zwischen 75 und 95 Jahre alt - erzählen ihre Erlebnisse in den Jahren ab 1933: im Gefängnis, in Konzentrationslagern oder im täglichen Leben. Auch nach 50 Jahren erinnern sie sich daran, was ihnen angetan wurde, aber auch an die glücklichen Momente in ihrem Leben. Die wohl bekanntesten schwulen Dokumentarfilmer unserer Zeit - Rob Epstein (Oscar Gewinner 1987 für ´The times of Harvey Milk´) und Jeffrey Friedman (gemeinsam mit Epstein u.a. the ´Celluloid Closet´, Teddy-Gewinner von 1996) drehten diese Augenzeugenberichte in Deutschland, Frankreich, Spanien und England und reicherten sie an mit Original-Aufnahmen von damals. In anrührenden wie respektvollen Porträts entreißen die Regisseure die sieben letzten lebenden Überlebenden des Naziterrors gegen Lesben und Schwule der Vergessenheit. Die von den Regisseuren offen gezeigte Trauer und Traumatisiertheit der Überlebenden hat nichts Voyeuristisches. Ganz im Gegenteil: in dem würdigen Umgang mit den Opfern manifestiert sich eine tiefe Menschlichkeit, die den Film im Ganzen auszeichnet. Und diese Menschlichkeit, da sie Empathie und Schuldbewusstsein impliziert, macht die Geschichte des Paragraphen 175 erträglich. Eigentlich wollten die Filmemacher die Geschichte des §175 von damals bis in die neuere Geschichte der BRD erzählen, haben sich aber letztlich auf die Nazi-Zeit konzentriert. So bleibt noch Stoff für das europäische Filmschaffen... Ein erstaunlicher, sehr ergreifender, atmosphärisch dichter Film mit einem faszinierenden Soundtrack des ungarischen Musikers und Komponisten Tibor Szemzó!


© 2003 Schwule Filmwoche e.V. Belfortstr. 37, D-79098 Freiburg